1. Grundlagen
Ringe für Taucherausrüstung sind kleine, aber unverzichtbare Dichtungselemente aus Elastomeren. Sie sitzen an nahezu jeder Verbindungsstelle der Ausrüstung und verhindern das Eindringen von Wasser. Ihre Funktion ist simpel, ihre Bedeutung für die Sicherheit aber keineswegs gering.
Im Atemregler selbst finden sich mehrere Ringe an den Anschlüssen zwischen den Stufen. Am Inflatorschlauch, der Jacket und Flasche verbindet, sitzen Ringe, die dem ständigen Druckwechsel standhalten müssen. Sogar die Flaschenöffnung wird mit einem Ring abgedichtet.
Jeder Taucher sollte Ringe nicht als nebensätzliches Zubehör betrachten, sondern als sicherheitsrelevante Verschleißteile. Mit zunehmender Nutzung und Alterung verlieren sie ihre Elastizität. Regelmäßiger Austausch gehört zur verantwortungsvollen Tauchpraxis.
2. Darauf kommt es an
Chemische Beständigkeit
Tauchgeräte kommen mit verschiedenen Gasgemischen in Kontakt. Luft enthält unter Druck gelösten Sauerstoff, Nitrox hat erhöhten Sauerstoffanteil. Jedes Material reagiert anders auf diese Bedingungen. Bestimmte Elastomere werden unter hohem Sauerstoffdruck spröde oder können sich entzünden.
Für normale Pressluft-Tauchgänge genügen handelsübliche Nitril-Kautschuk-Ringe. Bei Gemischen mit mehr als 21 Prozent Sauerstoff braucht es Materialien mit höherer Beständigkeit. Viton oder spezielle Kalrez-Ringe halten diesen Bedingungen stand, kosten aber deutlich mehr.
Die meisten Hersteller von Atemreglern geben in ihren Handbüchern an, welche Ring-Materialien für ihre Geräte zugelassen sind. Diese Vorgaben zu ignorieren wäre fahrlässig.
Temperaturbeständigkeit
Ringe werden bei unterschiedlichen Temperaturen eingesetzt. Im Wasser sind es je nach Bedingungen zwischen 4 und 30 Grad Celsius. An der Oberfläche kann es im Sommer deutlich wärmer werden, im Winter kälter.
Silikonringe behalten ihre Flexibilität über einen breiten Temperaturbereich. Nitril-Kautschuk wird bei Kälte hart und kann bei Minusgraden seine Dichtfunktion verlieren. Wer in kaltem Wasser taucht, sollte auf die angegebene Minimaltemperatur achten.
Auch bei der Lagerung spielt die Temperatur eine Rolle. Ein im Auto bei Sommerhitze aufbewahrter Satz Ringe altert deutlich schneller als kühl gelagerter Vorrat.
Maßgenauigkeit
Die technische Spezifikation eines Rings umfasst drei Maße: Innendurchmesser, Außendurchmesser und Drahtstärke. Für eine sichere Dichtung müssen alle drei Maße zum Gegenstück passen.
Verschiedene Hersteller fertigen Anschlüsse mit leicht abweichenden Maßen. Ein Ring, der bei Gerät A perfekt sitzt, kann bei Gerät B zu eng oder zu lose sein. Deshalb ist es sinnvoll, die originalen Ringe des jeweiligen Herstellers zu verwenden oder die Maße exakt zu prüfen.
Wer ein neues Ringset zum ersten Mal verwendet, sollte vor dem Tauchgang einen Testlauf mit angelegtem Gerät machen. Undichtigkeiten lassen sich so noch rechtzeitig erkennen und beheben.
Alterung und Wartung
Elastomere altern auch ohne Gebrauch. UV-Strahlung, Ozon und Sauerstoff greifen das Material an. Nach zwei bis drei Jahren zeigen selbst unbenutzte Ringe erste Risse oder Verfärbungen.
Im Einsatz beschleunigt sich dieser Prozess durch den Kontakt mit Salzwasser, Druckwechsel und mechanische Beanspruchung beim Anschließen. Manchmal sieht ein Ring noch gut aus, hat aber seine Dichtkraft bereits verloren.
Die beste Vorsorge ist der regelmäßige Austausch in festen Intervallen. Wer seine Ausrüstung jährlich zum Service gibt, lässt dort auch die Ringe erneuern. Bei Steckanschlüssen, die häufig bewegt werden, sollte der Zyklus kürzer ausfallen.
3. Typische Fehler
Fehler 1: Ringe aufbewahren ohne Schutz
Lose Ringe in einer Schublade verlieren schneller an Elastizität als geschützt gelagerte. Licht, besonders Tageslicht mit UV-Anteil, schadet dem Material. Besser sind verschlossene Beutel oder die Originalverpackung, kühl und dunkel aufbewahrt.
Fehler 2: Dehnung beim Aufsetzen
Beim Aufsetzen eines neuen Rings dehnen ihn viele Taucher über den Anschluss, statt ihn vorsichtig in die Nut zu legen. Dabei entstehen Mikrorisse, die erst später zum Problem werden. Ein spezieller O-Ring-Haken erleichtert die Montage ohne Beschädigung.
Fehler 3: Schmierung mit falschem Mittel
Manche Taucher verwenden Silikonfett oder Vaseline zur leichteren Montage. Nicht jedes Fett ist mit jedem Ringmaterial verträglich. Silikonfett greift bestimmte Elastomere an. Besser sind spezielle O-Ring-Silikone oder das vom Hersteller empfohlene Mittel.
Fehler 4: Nur nach Sichtprüfung gehen
Ein Ring kann äußerlich unbeschädigt aussehen, aber dennoch seine Dichtfunktion eingebüßt haben. Die Elastizität lässt visuell oft nicht erkennen. Regelmäßiger Austausch nach Zeitplan ist sicherer als eine Einschätzung nach dem bloßen Aussehen.
4. Orientierung
Die Orientierung beginnt bei der eigenen Ausrüstung. Welche Anschlüsse sind verbaut, welche Maße werden gebraucht? Wer das weiß, kann gezielt nach dem passenden Sortiment suchen.
Universelle Sets bieten eine große Bandbreite an Größen für wenig Geld. Sie eignen sich als Grundausstattung für die Tauchertasche. Wer weiß, dass bestimmte Größen häufiger gebraucht werden, kann nachkaufen und das Sortiment ergänzen.
Bei der Materialwahl richtet sich die Entscheidung nach dem Einsatzzweck. Für Standardtauchgänge mit Luft genügt Nitril. Für Nitrox und Tec-Diving braucht es sauerstoffbeständige Varianten. Die Spezifikation auf der Verpackung verrät, ob das Produkt für den geplanten Einsatz geeignet ist.
Ein kleiner Vorrat im Tauchgepäck ist immer sinnvoll. Ringe versagen gerne dann, wenn keine Ersatzteile verfügbar sind. Ein Satz Neopren-Ringe für unterwegs kostet nur wenig und kann den Tauchgang retten.